Archivieren - Konservieren - Re-recording

Die Archivierung umfaßt die inhaltliche Vorerschließung und die technische Sicherung der Bestände. Erst die Begleitdokumentation macht audiovisuelle Aufnahmen zu wissenschaftlichen Quellen. Diese Aufbereitung wird von den Kustoden interaktiv mit den Feldforschern erarbeitet. Die erhobenen Daten wurden früher in "Protokollen" verzeichnet, heute werden sie in eine Datenbank eingegeben.

Protokoll einer Phonogrammaufnahme

Die technische Sicherung der audiovisuellen Datenträger stellt eine Schlüsselaufgabe eines audiovisuellen Archivs dar.
Prinzip ist hierbei die Verfügbarkeit von mindestens zwei Reproduktionen jeder Aufnahme: einer möglichst stabilen Archivkopie, sowie einer Benützungskopie. Stabilität ist allerdings ein relativer Begriff: Können die Metall-Negative der historischen Phonogramme durchaus als "dauerhaft" bezeichnet werden, so kann dies von den modernen Datenträgern nicht mehr behauptet werden. Besonders die im Feld eingesetzten analogen wie digitalen Magnetbandformate sind äußerst empfindlich, sodaß eine Archivkopie hergestellt werden muß.

Für die Sicherung von Audiomaterialien wurde bis 2000 stabileres "archivtaugliches" Analogband verwendet, an dessen Stelle heute eine digitale Speicherung mit besonderer Sicherheitsarchitektur getreten ist.

Im Videobereich erfolgt die Verwendung eines unkomprimierten Formats für die Archivierung analogen Quellenmaterials (zumeist Hi8, aber auch U-Matic und VHS) mit der Überlegung, die vorhandene Information möglichst verlustfrei (d.h. ohne Artefakte, die die Auswertung beeinträchtigen könnten) im Archivmedium zu speichern. Eine detailliertere Darstellung der Problematik findet sich im Artikel über Videographie.

Neben den eigenen Videobeständen werden vorrangig ältere, verstreut in österreichischen Institutionen sowie in Privatbesitz befindliche und in ihrem Erhaltungszustand gefährdete Videodokumente archiviert. Forscher und Institutionen, die im Besitz solcher videographischer Forschungdokumente (ungeschnittenes Rohmaterial, research footage) sind, mögen sich an uns wenden!

Als Archivmedium dient im Audio- sowie im Videobereich LTO-Band.

Die Konservierung konzentriert sich auf die fachgerechte Behandlung und Lagerung, besonders aber auf die laufende Kontrolle der Bestände, da nicht nur historische, sondern immer öfter auch relativ moderne Datenträger von Zersetzungs- erscheinungen bedroht sind.

Weltweit sind ca. 30-40 Mio. Aufnahmestunden wegen des Zerfalls der Trägermaterialien akut bedroht. Das Phonogrammarchiv arbeitet mit in- und ausländischen Partnern an Forschungsprojekten zur Verbesserung der Konservierung audiovisueller Bestände.

2007 wurde dem Phonogrammarchiv von der UNESCO der Jikji-Preis verliehen; es ist dies die höchste internationale Auszeichnung “to reward efforts contributing to the preservation and accessibility of documentary heritage as a common heritage of humanity”.

Re-recording ist die fachgerechte Übertragung von alten Schallaufnahmen auf neue Tonträger.
Die Beschäftigung mit den eigenen historischen Beständen hat dem Archiv reiche Erfahrung im Re-recording gebracht. Diese Sachkenntnis konnte auf die Übertragung von Edison-Zylindern ausgeweitet werden und führte zu den Überspielungen verschiedener Bestände, wie frühe arabische Aufnahmen der Universität Leiden, Bartóks Zylinder-Aufnahmen in der Slovenska Matica (Slowakei), oder Walzensammlungen in Riga und Rom. Das im Phonogrammarchiv entwickelte Überspielgerät wurde auch von ausländischen Schallarchiven erworben.
Dieses Gerät wurde in Hinblick auf größtmögliche Schonung dieser zerbrechlichen historischen Tonträger konzipiert. Deshalb werden die Zylinder nicht unter Druck auf einen Konus aufgeschoben sondern zwischen mit Moosgummi belegten Scheiben eingeklemmt. Dadurch wird jeglicher Radialdruck auf den Innenkonus vermieden - eine Methode, die sich besonders beim Abspielen von reparierten Zylindern als vorteilhaft erwiesen hat. Die Signalabnahme erfolgt über einen magnetischen Stereo-Pickup. Als Tonarm dient ein modifizierter Revox Lineartonarm.

Abspielgerät für Edison-Zylinder
(Typ IV)

Das Gerät verfügt über einen Drehzahlbereich von 45 Upm bis 240 Upm und eignet sich in der Grundversion zum Abspielen von Zylindern mit 2" Durchmesser. Die Abdeckung aller anderen gängigen Zylinderformate ist optional.

Feldforschung - Beratung - Kooperation

Feldforschung

Die Mitarbeiter des Phonogrammarchivs führen laufend auch eigene Aufnahmeprojekte durch. Dabei werden inhaltlich neue Fragestellungen zur thematischen Erweiterung der Bestände aufgegriffen und darüberhinaus methodisch-technisch neue Verfahren erprobt. Diese Aufnahmeprojekte dienen damit der Fortentwicklung der wissenschaftlichen Phono- und Videographie, weil in ihnen gewonnene Erfahrungen in die methodische Beratung von Forschungsvorhaben Dritter einfließen.

Technische Beratung und Unterstützung von Forschungsvorhaben

Das Phonogrammarchiv unterstützt Forschungsvorhaben Dritter. Dies umfasst Erstberatung, Einschulung, Zurverfügungstellung von Feldforschungsequipment, Archivierung und Langzeitsicherung der gewonnenen Aufnahmen. Für eine derartige Unterstützung müssen jedoch nunmehr Kosten verrechnet werden, deren Finanzierung bereits im Projektantrag zu berücksichtigen ist. Falls Sie eine solche Unterstützung beantragen möchten, finden Sie hier das entsprechende Projektantragsformular (im *.pdf Format) zum Download sowie eine Erklärung der rechtlichen Rahmenbedingungen.
Bitte beachten Sie, dass die Projektanträge in der Reihenfolge ihres Eintreffens bearbeitet werden und eine rechtzeitige Einreichung, d.h. mindestens 4 Wochen vor der geplanten Abfahrt, erforderlich ist. Besonders während der Universitätsferien, die häufig für Feldforschungsaufenthalte genutzt werden, besteht eine rege Nachfrage nach Audio- und Videoaufnahmegeräten. Es ist daher zweckmäßig, die Antragstellung für die Unterstützung durch das Phonogrammarchiv in die Gesamtplanung des Forschungsvorhabens aufzunehmen, denn nur die zeitgerechte Beantragung kann die Verfügbarkeit des Equipments für den gewünschten Zeitraum sicherstellen.
Fachgerechte Auswahl, regelmäßige Prüfung, Wartung und Kontrolle der Audio- und Videogeräte gewährleisten ihren optimalen technischen Standard.
Damit diese hohen Standards auch entsprechend genutzt werden können führt das Phonogrammarchiv für Feldforschungsprojekte technische und methodische Beratung durch. Dies sichert die Pflege und Fortentwicklung der wissenschaftlichen Phono- und Videographie, d.h. des für die jeweilige Fragestellung methodisch adäquaten Einsatzes von verfügbaren technischen Aufnahmeverfahren.

Kooperationen

Das Phonogrammarchiv ist seit seiner Gründung um internationale Zusammenarbeit bemüht und hat an der Errichtung anderer früher Schallarchive mitgewirkt. Heute engagiert es sich beim weiteren Ausbau des audiovisuellen Archivwesens, besonders in Entwicklungsländern, und ist in die Arbeit internationaler Organisationen, u.a. der International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA), der Audio Engineering Society (AES), der Association of Moving Image Archivists (AMIA) sowie der UNESCO (Memory of the World Programm) eng eingebunden.