Laufende Forschungsprojekte


Bedrohte Sprachen, Oraltraditionen und kontextualisierende Forschung
 

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Erforschung und Dokumentation bedrohter Sprachen in Kinnaur (Himachal Pradesh, Indien)

Kontakt: Christian Huber

Das Projekt setzt die Erforschung und Dokumentation verschiedener bedrohter Sprachen Kinnaurs (Shumcho, Kinnauri-Harijan und Jangshung/Jangrami) fort, die im Rahmen des Projektes Dokumentation oraler Traditionen in Spiti und Upper Kinnaur (FWF-Projekt P15046) begonnen wurde. Bisher fanden drei Feldforschungsreisen statt (2007, 2009, 2011). 2007 wurden auch erste Untersuchungen zur Sprache von Sunnam angestellt.
Gegenwärtig konzentriert sich die Forschung auf die bislang undokumentierte Shumcho-Sprache, die hauptsächlich in drei Dörfern der Shumcho-Region gesprochen wird. Die Forschungen zu Shumcho umfassen u.a. Untersuchungen zu Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik und Lexikon. Diese Untersuchungen werden durch Aufnahmen von Texten (Märchen, Erzählungen, Interviews zu sozio-kulturellen oder historischen Themen usw.) ergänzt, die mit Hilfe lokaler Gewährsleute transkribiert, übersetzt und analysiert werden.


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Tod & Leben: Lokale Konzeptionen der Wiedergeburt unter den Drusen im Nahen Osten

FWF Einzelforschungsprojekt P 28736, 1. April 2016 – 31. März 2019
 
Kontakt: Gebhard Fartacek, Lorenz Nigst
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Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen Erzählungen und Diskurse über das Phänomen der Seelenwanderung [taqammus] unter der drusischen Bevölkerung im Nahen Osten. Charakteristischerweise berichten solche Erzählungen darüber, wie ein konkretes Kind geboren wird, welches als ein zuvor verstorbenes, ebenso konkretes Individuum identifiziert werden kann. Wandern laut den drusischen Glaubensüberzeugungen alle Seelen, so sind die Fälle, in denen sich die Betroffenen genauestens an ihr Vorleben erinnern können und so ihre „alte“ Familie wiederfinden, allerdings doch besondere Fälle, die in emischer Sicht primär dann vorzukommen scheinen, wenn jemand besonders unerwartet und auf tragische Weise aus dem Leben gerissen wurde (also etwa durch einen Unfall mit Todesfolge, einen Mord oder durch Totschlag).

Interessanterweise werden derartige Fälle, wo ein Kind als Wiedergeburt eines konkreten Verstorbenen anerkannt wird, innerhalb der drusischen Gemeinschaft durchaus ambivalent beurteilt. In unseren Vorerhebungen wurde deutlich, dass es zwar von vielen drusischen Familien, die so plötzlich und unerwartet eines ihrer Mitglieder verloren haben, einerseits als sehr wohltuend und tröstlich empfunden wird, wenn sie den verstorbenen Menschen in neuer Gestalt wiederfinden. Andererseits, so unsere Interviewpartner/-innen, haben derartige Begebenheiten auch etwas Problematisches an sich, denn es wäre unklar zu welcher Familie das Kind dann eigentlich gehöre: Zur alten oder zur neuen? Alles würde durcheinander geraten, Kränkungen und Streit wären in solchen Fällen nicht selten!

Das beabsichtigte Forschungsvorhaben will derartige ethnosoziologische Probleme, die mit dem Konzept der Seelenwanderung einhergehen, systematisch beleuchten. Anhand von Fallrekonstruktionen (im Sinne der case-reconstructive-research) soll das Schicksal einzelner Personen und deren Familien im Detail nachgezeichnet werden. Im Mittelpunkt stehen dabei personale und kollektive Identitätsbildungsprozesse, lokalkulturelle Strategien der Lebensbewältigung sowie gedachte und gelebte Zeit- und Raumkonzeptionen, die den entsprechenden sozialen Anerkennungsprozessen zugrunde liegen (Plot-Bildung) und das Konzept der Seelenwanderung plausibel erscheinen lassen.

Die ethnographische Datenerhebung wird komparativ, in unterschiedlichen nationalstaatlichen Kontexten, in unterschiedlichen sozialen Schichten sowie unter „eingeweihten“ [uqqâl] und „nicht-eingeweihten“ [djuhhâl] Drusinnen und Drusen durchgeführt. Vorgesehen sind hierfür Feldforschungen im Gesamtausmaß von 7 Monaten (verteilt auf 3 Jahre) in den drusischen Gebieten des Libanons sowie in Palästina/Israel. Geplant sind zudem gezielte Interviews mit Drusinnen und Drusen, die aufgrund der rezenten kriegerischen Auseinandersetzungen aus Syrien flüchten mussten und sich vorübergehend im Libanon bzw. im europäischen Ausland aufhalten.


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Lebensgeschichten und Perspektiven syrischer Kriegsflüchtlinge in Österreich: Ein Interviewprojekt

Kontakt: Gebhard Fartacek

Österreich und andere europäische Staaten sehen sich derzeit mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert: Täglich erreichen Menschen aus dem Großraum Syrien unter lebensgefährlichen Fluchtumständen die österreichische Grenze, die viele von ihnen ziehen weiter nach Deutschland oder in ein anderes europäisches Zielland; manche der Geflüchteten möchten für längere Zeit in Österreich bleiben. Diese Menschen, mit all ihren Beweggründen, Erlebnissen und möglichen Traumatisierungen stehen im Mittelpunkt dieser Erhebung. Im Rahmen narrativer Interviews werden sie eingeladen über ihre Lebenserfahrungen zu erzählen und über wünschenswerte Modelle des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu reflektieren.

Die Interviews mit den syrischen Flüchtlingen erfolgen aus der Blickwinkel einer Weiterentwicklung sozialanthropologischer Erklärungsmodelle zu Flucht, Migration und Ethnizität – wobei die Besonderheiten der momentanen Flüchtlingssituation in Österreich systematisch herausgearbeitet werden (syrische Kriegsflüchtlinge: ethnisch-religiöse Relationen, öffentliche Diskurse, Sprachbarrieren, spontane bottom-up Initiativen zur Unterbringung syrischer Flüchtlinge in ruralen Gemeinden, etc.).

Die Hypothesengenerierung (im Sinne der grounded theory) erfolgt entlang folgender Themenbereiche:

  1. Die „frühere“ Alltagswelt der Betroffenen in Syrien unter besonderer Berücksichtigung ethnisch-religiöser Gliederungen: Wie gestaltete sich die persönliche Situation der Interviewpartner/-innen zu Beginn des Bürgerkriegs und davor? Wie wurden die sozio-politischen Auseinandersetzungen im sogenannten Arabischen Frühling erlebt und wie entwickelten sich die ethnisch-religiösen Spannungen aus ihrer Sicht? Welche Stufen der Eskalation und der Radikalisierung können von den Betroffenen identifiziert werden?
  2. Stationen der Flucht: In welcher Form spiegelt sich die ethnisch-religiöse Segmentierung Syriens in der Fluchtbewegung wider? Welche Rolle spielen familiäre und andere Netzwerke für die Entscheidung zur Flucht bzw. für bestimmte Fluchtrouten und für die Wahl des Ziellandes? Wie entfalten und gestalten sich kollektive und personale Identitätskonstruktionen der Flüchtenden?
  3. Rezente Situation in Österreich: Wie nehmen syrische Flüchtlinge unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in Österreich wahr? Gibt es bestimmte normative Erwartungshaltungen an die Aufnahmegesellschaft(en)? Auf welche Weise schlägt sich die ethnisch-religiöse Segmentierung der syrischen Gesellschaft im Siedlungsverhalten bzw. in den Interaktionen der Geflüchteten in Österreich nieder? Welche „Integrationsstrategien“ und Zukunftspläne werden von den Betroffenen verfolgt?

Die Interviews werden in Arabischer Sprache bzw. in syrisch-levantinischem Dialekt (ohne Dolmetscher) geführt. Im Sinne rekonstruktiver Sozialforschung kommen Techniken des narrativen, des themenzentrierten und des rezeptiven Interviews zum Einsatz. Sofern die Interviewpartner/-innen zustimmen, werden die Gespräche aufgenommen und am Phonogrammarchiv mit den bewährten technischen und methodischen Standards archiviert.

Angesichts der schwierigen Lage, in der sich die Geflüchteten gegenwärtig befinden, müssen die Interviews mit besonders großem Fingerspitzengefühl durchgeführt werden. Von Vorteil ist dabei, dass der Leiter dieses Projekts, Dr. Gebhard Fartacek, über wichtiges Hintergrundwissen und eine spezielle Forschungspraxis verfügt (ethnologische Feldforschungen in unterschiedlichen Regionen Syriens; Gesamtausmaß: 30 Monate) und sich in Österreich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert.

Seit Februar 2016 wird Dr. Fartacek von Safwan Alshufi, BA unterstützt, einem syrischen Künstler und Konfliktmanager, der derzeit im Rahmen der ÖAW-Flüchtlingsinitiative am Phonogrammarchiv ein Praktikum absolviert.

Das Projekt möchte letztendlich zu einem besseren Verständnis der syrischen Kriegsflüchtlinge und ihrer Situation in Österreich beisteuern und einen Beitrag für künftige Integrationsbemühungen leisten.


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Musik und Oraltraditionen der Roma

Kontakt: Christiane Fennesz-Juhasz

Im Rahmen des Forschungsbereichs wird zu (rezenten wie bereits historischen) gruppenspezifischen Ausprägungen der Musik, aber auch der Erzählkultur von Roma gearbeitet, wobei Aufnahmen aus den diesbezüglich umfangreichen Beständen des Phonogrammarchivs ausgewertet und aktuelle Feldforschung (derzeit primär in Österreich) mit einbezogen werden. Jeweils themenspezifisch und in interdisziplinärer Kooperation mit externen Partnern bzw. Forschungsstellen werden ausgewählte Archivbestände zur Kultur der Roma (oder deren Inhalte) auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht (s. Tondokumente zur Roma-Kultur; RomBase; A Roma Journey).


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Religion und Identität im Nahen Osten: Zur Symbolik ethnisch-religiöser Abgrenzung

Kontakt: Gebhard Fartacek

Aufbauend auf bisherige Forschungsarbeiten (lokalkulturelle Pilgerorte und ethnisch-religiöse Segmentierungen im Großraum Syrien; Geschichten und Diskurse über das Wirken gefährlicher Dämonen und des Bösen Blicks; erkenntnistheoretische Modelle und Rituale der personalen und kollektiven Konfliktbewältigung in Nordarabien; Besessenheit und ethnisches Bewusstsein in der Golfregion) verfolgt dieses Projekt das Ziel einer systematischen Analyse von gedachten und gelebten Zugehörigkeiten und Abgrenzungen, wie sie im Gebiet des gegenwärtigen Nahen Ostens anzutreffen sind. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen Tabus, Rituale und Symbole der ethnisch-religiösen Demarkation. Von strukturalen und konstruktivistischen Erklärungsmodellen ausgehend werden rezente Identitätskonstruktionen sowie lokalkulturelle Strategien im Umgang mit (epistemologischen) Ungewissheiten komparativ analysiert.
Das empirische Fundament dieses Forschungsprogramms bilden: (1.) eine systematische Auswertung der bisher vorhandenen Fachliteratur inklusive arabisch-sprachiger Quellen; (2.) die Auswertung sämtlicher am Phonogrammarchiv vorhandener audio-visueller Bestände (oral traditions), die für das Untersuchungsgebiet unmittelbar relevant sind; sowie (3.) eigene ethnologische Feldforschungen, die gemäß des methodologischen Ansatzes der Fallrekonstruktion und im Sinne einer multi-sited-ethnography in ethnisch-heterogenen Gebieten des Nahen Ostens durchgeführt werden. Diese Erhebungen werden die audio-visuellen Bestände des Phonogrammarchivs gezielt erweitern und gleichzeitig wichtige Hintergrundinformationen zu den bereits bestehenden Sammlungen liefern.


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Kulturelle Aktivitäten westafrikanischer Zuwanderer in Wien

Kontakt: Hedwig Köb

Ziel des Projekts ist die audiovisuelle Erfassung des Kulturlebens möglichst vieler in Wien lebender westafrikanischer Gemeinden. Die Dokumentation umfasst alle kulturellen Aktivitäten von Künstlern und Organisatoren und deren soziokulturellen Hintergrund. In Frage kommen aktuelle Ereignisse, die von Afrikanern für Afrikaner, öffentlich oder privat veranstaltet werden, Künstlerporträts und Interviews. Feldforschungsaufenthalte im Senegal im Frühjahr 2010 und Herbst 2011 konzentrierten sich auf die Dokumentation der in mehreren westafrikanischen Ländern verbreiteten Griot-Tradition im soziokulturellen Kontext ihrer Heimat als Gegenüberstellung zu deren Überlebensform in der Diaspora.


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Musik mechanischer Musikinstrumente

Kontakt: Helmut Kowar

The activities – started in 1980 – comprise the exploration of historical automata, the production of audio and video documentation of the instruments as a source for further research into their music and history, and the publication of results from current investigations in this field.


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Kontextualisierung und Edition von Tonaufnahmen

Kontakt: Clemens Gütl, Christian Liebl, Gerda Lechleitner

In the course of their content-related analysis of audiovisual sources (especially historical recordings), members of staff focus on bio-biographical studies of (field) researchers and the people recorded as well as on a contextual evaluation of the genesis of these recordings; historico-cultural issues and aspects pertaining to the history of science also play an important role for a better understanding of the collections of the Phonogrammarchiv. This interdisciplinary approach not only requires visits to relevant archives, but also stimulates fruitful cooperation with other institutions. Results are made available in the complete edition of the archive’s Historical Collections 1899–1950, the selected edition of other audio and video recordings as well as additional publications.


Technische Forschung und Entwicklung im audiovisuellen Bereich
 

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Restaurierung sowie Optimierung der Wiedergabe von Audiomedien

Kontakt: Nadja Wallaszkovits, Prof. Heinrich Pichler (Technikum Wien)

Das Projekt widmet sich der Optimierung der Wiedergabe von analogen und digitalen Audioformaten, sowie der Langzeiterhaltung, Spielbarmachung und Restaurierung von Audiomedien. Dabei werden sowohl problematische bzw. bereits obsolete Formate berücksichtigt, als auch Standard-Wiedergabeprozesse und Digitalisierungsverfahren weiterentwickelt bzw. optimiert.


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Evaluierung von Videoformaten für die Langzeitspeicherung

Kontakt: Johannes Spitzbart

There is currently no standardised archival format for video footage. The Phonogrammarchiv is evaluating open and proprietary formats for long-term storage and is engaged in discussions with similar institutions within the AMIA community (open source and digital issues committee).


Forschung RMB Collection
 

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Musik der Kunqu-Oper in China (Qupai-Konzept)

Kontakt: Rudolf M. Brandl, Li Huang

In einer repräsentativen Video-Dokumentation aller Kunqu-Operntruppen um die Jahrtausendwende wird das Konzept der Melodiemodelle (Qupai) analysiert und dargestellt. (siehe „Orbis Musicarum“)


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Traditionelle Musik Griechenlands

Kontakt: Rudolf M. Brandl

In einer möglichst repräsentativen Gesamtdarstellung griechischer Volksmusik wird die kognitive musikalische Struktur (Skopos-Prinzip) erforscht. Für die inselgriechische Musik liegt bereits eine Monographie vor, die festlandgriechische (Epiros, Makedonien) Skopos-Konzeption ist in Bearbeitung. Weiters wird an einer ethnohistorischen Monographie über Ali Pasha von Janina und einem zweiten Band zur Musik auf Karpathos gearbeitet.

Abgeschlossene Projekte...