HINEINSEHEN – HERAUSHÖREN

Ton- und Videodokumente aus dem Phonogrammarchiv

(Übersicht aller Aufnahmen als Liste)

Die vorliegende Auswahl an Audio- und Videoaufnahmen bietet einen Einblick in die Vielfalt und Einzigartigkeit der Sammlungen des Phonogrammarchivs, v.a. aus den Disziplinen Ethnomusikologie, Kulturanthropologie und Linguistik. Die Beispiele sind das Ergebnis von weltweiten Feldforschungen vorwiegend österreichischer WissenschaftlerInnen und reichen von den Historischen Beständen 1899–1950 (eingetragen in das UNESCO Weltregister des „Memory of the World“-Programmes) bis zu AV-Dokumenten des 21. Jahrhunderts.

Hinweis: Die unterschiedliche Bild- und Tonqualität der Beispiele ergibt sich einerseits aus dem jeweiligen Stand der technischen Entwicklung des Aufnahmeequipments, andererseits auch aus den unterschiedlichen Bedingungen im Feld.

Konzept und Redaktion: Christian Liebl, Katharina Thenius-Wilscher
Technische Realisierung: Johannes Spitzbart, Franz Pavuza, Michael Risnyovszky
Dank für wertvolle Hinweise an: Christiane Fennesz-Juhasz, Bernhard Graf, Gerda Lechleitner, Ulla Remmer

„Kgokong makorwe“ unter der Leitung von Seka Matsetse Matlapeng

Aufgenommen von Jürgen Schöpf am 20.9.1997 in Tlôkweng, Botsuana

Die wenigen noch existierenden bzw. jüngst wiederbelebten Pfeifen-Ensembles „Ditlhaka“ der Tswana sind Repräsentationsmusik des jeweiligen Stammesfürsten zum öffentlichen Vergnügen.
Ein umschließender Kreis von Frauen, die das jeweilige Stück singen und dazu klatschen, fehlt in dieser Aufführung. Die Komposition „Kgokong makorwe“ besingt die nach oben gebogenen und spitz zulaufenden Hörner des Gnus (Kgokong).
Die Tonprobleme (Brummen) kündigen den etwa eine Stunde später eintretenden Totalausfall der Kamera an.

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Sprachprobe !Ai-khoë (Naro); Sprecher: |Kχara

Aufgenommen von Rudolf Pöch am 30.7.1908 in „Kχau (Kamelpan), Britisch Betschuanaland Protektorat“; Ph 767

Zwischen 1907 und 1909 hielt sich Rudolf Pöch – umstrittener Anthropologe, Arzt und Medienpionier – bei der indigenen Bevölkerung der Kalahari im heutigen Botsuana und Namibia auf. Im Rahmen dieser primär anthropologisch und ethnographisch ausgerichteten Expedition entstanden neben Film- und Fotodokumenten auch 67 Phonogramme – frühe Tonaufnahmen von polyphonem Gesang und Khoisan-Sprachen.

Auszug aus dem Protokoll: “Er erwähnt, dass die Buschmänner so viel für mich leisten müssten (Photographie, Messungen, Phonographische Aufnahmen), und wünscht sich außer dem Tabak eine Zünddose (Feuerzeug).“

CD-Publikation: Rudolf Pöch’s Kalahari Recordings (1908)

 
!Ai-khoë Frauen mit Hörschläuchen beim Abhören der Aufnahmen (© Phonogrammarchiv)

 

Märchen auf Nama (Khoekhoegowab); Sprecher: Stefanos Isak

Aufgenommen von Gerhard Kubik am 22.11.1991 in Windhoek, Namibia; B 33762

Seit über fünfzig Jahren unternimmt Gerhard Kubik immer wieder Forschungsreisen nach Afrika. Seine primär ethnomusikologisch ausgerichteten Aufnahmeserien stellen zusammen mit den ebenfalls aufgenommenen spontanen Gesprächen sowie Erzählungen und Märchen wertvolle Quellen zu vielen afrikanischen Sprachen dar.

Die Sprache Nama (Khoekhoegowab), die in Namibia, Botsuana und Südafrika gesprochen wird, zählt zu den Khoisan-Sprachen, deren Charakteristikum Schnalzlaute (clicks) sind.

 
Karte Namibias (Quelle: Wikimedia Commons)

Lied auf Chitonga; gesungen und gespielt von Andrew Mweemba

Aufgenommen von Cornelia Pesendorfer am 9.8.2002 in Chikuni, Sambia; V 1072

Im Jahr 1958 kam es aufgrund des Baues des Kariba-Staudammes am Sambesi zur Zwangsumsiedlung von 57.000 Menschen – ein traumatisches Ereignis, das unter der lokalen Bevölkerung bis heute präsent ist. Es wurde und wird auf unterschiedliche Art und Weise verarbeitet, wie im vorliegenden Beispiel in Form eines Liedes, wobei sich der Sänger selbst auf einer Nkobela (Lamellophon) begleitet.

Die Ethnomusikologin Cornelia Pesendorfer hat in den Jahren 2000-2005 mehrere Feldforschungsreisen zu den Tonga am Kariba-See unternommen, um die dortigen musikalischen Traditionen zu dokumentieren, die – wie das Beispiel zeigt – teilweise starke historische Bezüge aufweisen.

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„Olutalo olwe Nsinsi“; Musiker: Albert Sempeke, Ismael Obaloker, N.N.

Aufgenommen von Gerhard Kubik im November 1967 in Kampala, Uganda; B 12508

Vor allem dank der Forscherpersönlichkeit Gerhard Kubik zählt Afrika südlich der Sahara schon seit den 1960er Jahren zu den Sammlungsschwerpunkten des Phonogrammarchivs. Seine im Laufe von mehr als 50 Jahren entstandenen ethnomusikologischen Aufnahmen aus vielen Gegenden Afrikas zählen zu den bedeutendsten Beständen des Archivs.
Bereits als junger Mann hat Kubik selbst in Uganda das Spiel auf der Amadinda erlernt. Bei diesem Instrument handelt es sich um ein 12-stäbiges Xylophon, das von drei Spielern gleichzeitig gespielt wird.

 
Amadinda (© Gerhard Kubik)

Wortliste (Substantiva) auf Guaraní; Sprecher: Joachim Bento

Aufgenommen von Richard Wettstein am 7.7.1901 in São Paulo, Brasilien; Ph 159

Im Rahmen einer von Richard Wettstein geleiteten botanischen Expedition der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften nach Südbrasilien entstanden 1901 jene neun Phonogramme, die nicht nur als die ältesten Tonaufnahmen der Sprache der indigenen Guaraní gelten, sondern auch die ältesten Tondokumente aus Brasilien überhaupt darstellen. Wie im Protokoll zur Aufnahme zu sehen ist, beginnt die Liste mit den entsprechenden Wörtern für Mann, Frau, Kind, Knabe, Mädchen, Eltern, Vater und Mutter; Guaraní ist heute zweite Amtssprache von Paraguay mit ca. fünf Millionen Sprechern.

CD-Publikation: The First Expeditions 1901 to Croatia, Brazil, and the Isle of Lesbos

Protokollblatt (© Phonogrammarchiv)

 
Transkription (Friedl Grünberg, 1999):
ava
kuña
mitãngue
kunumi
kuñataĩ
che ru
che ru ai
ha’i

Trommelgesang der Inuit; gesungen von Simion Jeremiassen, mit Trommelbegleitung von Peder Uthesen

Aufgenommen von Rudolf Trebitsch am 16.7.1906 in Illorsuit (Ubekendt Ejland), Westgrönland; Ph 586

Im Sommer 1906 unternahm Rudolf Trebitsch, Doktor der Medizin (und später auch der Volkskunde), zusammen mit dem Zoologen Gustav Stiasny im Auftrag des Phonogrammarchivs eine Expedition nach Westgrönland. Das Ziel: die phonographische Aufzeichnung von Volksliedern und Sagen sowie das Sammeln von ethnographischen und naturwissenschaftlichen Objekten für das k.k. Naturhistorische Hofmuseum. Die auf diese Weise entstandenen 73 Phonogramme – vor allem Gesänge, Volkserzählungen und Instrumentalmusik – zählen zu den ältesten erhaltenen Tondokumenten der grönländischen Inuit und ihrer Sprache. Bei diesem Hörbeispiel handelt es sich um einen jener traditionellen Trommelgesänge, die – von den Missionaren verteufelt – schon damals kaum mehr beherrscht wurden; die bei der Aufnahme verwendete Trommel befindet sich heute im Weltmuseum Wien (vormals Museum für Völkerkunde).

CD-Publikation: The Collections of Rudolf Trebitsch (1906–1913) – Recordings from Greenland (Kalaalit Nunaat) 1906

Simion Jeremiassen (© Phonogrammarchiv)

 
Transkription (Arnaq Grove, 2003):
Qajuuttakassak tammakassaqaaq,
H’ijaajjaa-a-a, avai, iijajjaa, ja-jaai
/: Qajuuttakassak ulileqaatit, ijaajjaa-a-a, -avai!
iijajjaa-jaa,-jaa
atali, atali toquleqaatit
H’ijaajjaa-a-a, avai, jaajajjai, -avani!:/
iijajjaa-jaa,-jaa

Sikuri-Ensemble „27 de enero“

Aufgenommen von Bernd Brabec de Mori am 6.10.2002 in Puno, Peru; V 2248

Sikuri nennt man große Ensembles, die aus Panflöten (Siku) in verschiedenen Größen und Trommeln (Bombo und/oder Redoblante) zusammengesetzt sind. Sikuri-Ensembles spielen nur zur Trockenzeit und sind im südlichen Peru und im bolivianischen Hochland verbreitet. Die Aufnahme zeigt die Gruppe „27 de enero“ im Rahmen des "Concurso de Sikuri en la Universidad Nacional Andina".

Der Ethnomusikologe Bernd Brabec de Mori beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Musik und Identität der indigenen Gruppen im peruanischen Amazonas, wobei einer seiner Schwerpunkte auf Fragen zur Ethnomedizin liegt. Durch ihn und einige weitere Wissenschaftlerinnen verfügt das Phonogrammarchiv mittlerweile über mehrere Aufnahmeserien aus dieser zumindest im deutschsprachigen Raum relativ jungen Disziplin.

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Teehausmusik (Tanbur, Klarinette, Querflöte, Zang, Tabla, Harmonium)

Aufgenommen von Hermann M. Preßl am 8.8.1970 in Kabul, Afghanistan; B 14758

Dank der Forschungstätigkeiten von Hermann M. Preßl, Max Klimburg, Alfred Janata u.a. beherbergt das Phonogrammarchiv wertvolle Aufnahmen aus Afghanistan, die in den 1950er- bis 1970er-Jahren entstanden sind, also vor den politischen Unruhen in diesem Land. Sie sind wichtige Zeugnisse einer einst reichen, heute größtenteils verklungenen Musizierpraxis.

 
Musiker im Teehaus (© Max Klimburg)

Ausschnitt aus dem Kunqu-Drama „Baihua-ji“; Darsteller: Bai Xiaojun (Zofe), Wang Zhenyi (Junger Offizier)

Aufgenommen von Rudolf M. Brandl zu Ostern 2004 in Beijing; OM 86

 
Seit dem Jahr 2000 dokumentiert Rudolf M. Brandl, Ethnomusikologe und ehemaliger Direktor des Phonogrammarchivs, Aufführungen der Kunqu, der klassischen chinesischen Oper des 16.-19.Jahrhunderts, die sich seit 2008 auf der representativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO findet.

Das Video zeigt einen Ausschnitt aus dem Einakter „Das Schwert verschenken“, der Teil des Kunqu-Dramas „Baihua-ji“ (Geschichte der Prinzessin Baihua) ist. In der gezeigten Szene entdeckt die Zofe der Prinzessin Baihua einen vermeintlich Fremden im Schlafgemach der Prinzessin, der sich allerdings als ihr Bruder erweist.

Das Instrumentalensemble befindet sich nicht in einem Orchestergraben, sondern neben der Bühne.

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Link: RMB-Collection

Menthoko-Fest (Ausschnitte)

Aufgenommen von Christian Huber im September 2002 in Kanam (Kinnaur, Himachal Pradesh), Indien; V 337-343

Das Menthoko-Fest wird im September in Kinnaur in der Region Shumcho gefeiert. Das Video zeigt Ausschnitte aus den Festlichkeiten des zweiten Tages: Auf dem Santang, dem Tempelplatz, wird musiziert, getanzt und gesungen. Die Tanzenden sind festlich geschmückt und gekleidet und umrunden – den Gepflogenheiten des traditionellen Kinnauri-Tanzens folgend – den Tempelplatz gegen den Uhrzeigersinn. Ebenso wird die Sänfte (d.h. der Körper) des Davla, der Hauptgottheit des Dorfes Kanam, gegen den Uhrzeigersinn um das Gebäude in der Mitte des Tempelplatzes getragen. Zu sehen ist auch der Auftritt zweier Trance-Medien, deren Aufgabe u.a. die Vertreibung böser Geister ist.

Christian Huber arbeitet im Rahmen des Phonogrammarchivs-Forschungsschwerpunkts "Erforschung und Dokumentation bedrohter Sprachen in Kinnaur (Himachal Pradesh, Indien)" über die Sprache von Shumcho und andere bislang undokumentierte Sprachen in Kinnaur.

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Begrüßungsansprache auf Sanskrit; Sprecher: Pt. Yajnesvara Dikshita

Aufgenommen von Felix Exner am 19.1.1905 in Madras (Chennai), Indien; Ph 431

In den Jahren 1904–1905 leitete Felix Exner (1876–1930), Sohn des Archivgründers Sigmund Exner und späterer Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, eine primär meteorologischen Studien dienende Expedition nach Indien. Ausgerüstet mit einem Archivphonographen, machte er jedoch auch über 60 Tonaufnahmen mit Rezitationen aus nahezu allen Bereichen der Sanskrit-Literatur. Mehr als die Hälfte der Phonogramme entstand über Vermittlung von Henry Steel Olcott, dem Mitbegründer und ersten Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft, in der von ihm ins Leben gerufenen Adyar Library in Madras (heute: Chennai). Bei ihrem Besuch in der Bibliothek wurde die Delegation von einem „Senior Pandit of Adyar-Library“ auf Sanskrit begrüßt.

 
Transkription (nach dem Protokoll):

Übersetzung (laut Protokoll):
Sehet, o sehet – gar wunderbar ist dies! – diese Bemühung der Menschen in der Aneignung von Wissen, (der Menschen) die, nachdem sie unablässig die Worte der Gottheit studiert haben, ohne die Fertigkeit der Aussprache zu erlangen, zu diesem den Wortklang aufnehmenden Apparat (= Phonograph) griffen, ihn ihren Leuten übergeben, diese dann umherreisen lassen, zu einem Teile in Indien, und die reizvolle Erscheinung der Worte aufnehmen.

Aufnahme in der Adyar Library der Theosophischen Gesellschaft, Madras (Chennai)
(© Phonogrammarchiv)

„Chorgesang beim Tanze“

Aufgenommen von Rudolf Pöch am 12.11.1905 in Cape Nelson, „Britisch-Neuguinea“; Ph 524

1904–1906 bereiste Rudolf Pöch – umstrittener Anthropologe, Arzt und Medienpionier – das heutige Papua-Neuguinea. Neben Foto- und Filmaufnahmen verdanken wir Pöch auch insgesamt 94 Phonogramme, darunter jenes einer „Männergruppe, größtentheils Baifa-Leute“, entstanden während einer großen Tanzveranstaltung anlässlich des Geburtstags des englischen Königs (Eduard VII.). Dazu heißt es im Protokoll: „Die Männer sind zum Tanze geschmückt, in den Händen halten sie die mit Eidechsenfell überspannten Handtrommeln.“

CD-Publikation: Papua New Guinea (1904–1909): The collections of Rudolf Pöch, Wilhelm Schmidt, and Josef Winthuis

Aufnahme in Cape Nelson, Papua-Neuguinea
(© Phonogrammarchiv)

Betrachtungen über die baskische Sprache; Sprecher: Pierre Broussain

Aufgenommen von Rudolf Trebitsch am 25.7.1913 in Hasparren/Hazparne, Baskenland (Frankreich); Ph 2185

Im Sommer 1913 bereiste Rudolf Trebitsch, Doktor der Medizin und Volkskunde, das Baskenland. Mit Unterstützung von Julio de Urquijo, einem vermögenden Aristokraten und Baskologen, gelangen ihm 68 Aufnahmen, die nicht nur nahezu alle wichtigen Dialekte, sondern auch die Stimmen einer Reihe prominenter Persönlichkeiten enthalten. Im vorliegenden Beispiel philosophiert Pierre Broussain/Piarres Martin Broussain Salagoiti (1859–1920), Mitglied der Baskischen Akademie Euskaltzaindia, in nieder-navarrischem Dialekt über die ungewisse Zukunft der baskischen Sprache.

CD-Publikation: The Collections of Rudolf Trebitsch (1906–1913) – Basque Recordings 1913

 
Transkription (Maria Jose Kerejeta, 2003):
Vienako jaun batek galdeinik, gootik erraiten tut zonbeit hitz Azparneko eskuara garbiz. Eskuara aiphatzen duanaz geoz enitake eon erran gaa galtzeko irrisküan dela, Espainiako Eskual-herrietan beeziki. Nafarroan eta Bizkaian lehen eskuaraz mintzo ziin herri anhitz oai españolez mintzo dia. Frantziako Eskualherrietan nahiz gue mintzaia zaharra oai artio aski azkar den halee zonbeit lekutan galtzen aai da, hala nola Endaian, Donibane-Ziburun, Donapaleun eta Maulen. Hiri horiitan badia haur frango, aitamak eskualdunak tiuztenak eta eskuara eztakitenak.

Übersetzung (Christian Liebl, 2013; nach der französischen Übersetzung im Protokoll):
Auf Wunsch eines Herrn aus Wien spreche ich gerne einige Worte im reinen Baskisch von Hasparren. Wenn ich Baskisch erwähne, kann ich nicht umhin darauf hinzuweisen, dass es vom Aussterben bedroht ist, insbesondere im spanischen Baskenland. In vielen Orten in Navarra und Biskaya, wo man früher Baskisch gesprochen hat, spricht man heute Spanisch. Obwohl im französischen Baskenland unser altes Idiom bis jetzt noch ziemlich stark vertreten ist, finden sich dennoch einige Orte, wo es im Aussterben begriffen ist, etwa Hendaye, Saint-Jean[-de Luz]-Ciboure, Saint-Palais und Mauléon. In diesen Städten gibt es viele Kinder, die baskische Väter und Mütter haben, Baskisch aber nicht beherrschen.

Pierre Broussain, (© Azkue Biblioteka, Euskaltzaindia, Bilbao)

„A España“ (Judenspanisches Gedicht); Sprecher: Abraham A. Cappon

Aufgenommen von Julius Subak am 12.10.1908 in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina; Ph 1074

Im Auftrag der Balkan-Kommission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften hielt sich 1908/1909 der österreichische Romanist Julius Subak (1872–1936) „zur schriftlichen und phonographischen Aufnahme des Judenspanischen“ am Balkan auf. Während dieser in erster Linie sprachwissenschaftlich orientierten Forschungsreise begab er sich zu den Nachkommen jener sephardischen Juden, die nach ihrer Vertreibung aus Spanien (1492) am damals unter osmanischer Herrschaft stehenden Balkan Zuflucht gefunden hatten. So entstanden 15 Phonogramme, die heute als die ältesten wissenschaftlichen Aufnahmen dieser auch Ladino genannten Sprache gelten. Subaks erste Station am Balkan war Sarajevo, wo es ihm gelang, einige prominente Vertreter der sephardischen Gemeinde vor den Trichter zu bekommen – wie etwa Abraham A. Cappon (1853–1930), der in einem selbstverfassten Gedicht seiner Liebe zur alten Heimat Spanien Ausdruck verlieh.

CD-Publikation: Judeo-Spanish from the Balkans – The Recordings by Julius Subak (1908) and Max A. Luria (1927)

 
Transkription (Aldina Quintana Rodríguez, 2009):
Un salúdu kalorózu a Espáña ... de Avrahám Kapón, Sarayévo
A tí, Espáña, bienkirída, nozótros “mádre” te yamámos.
Miéntras tódas nuéstras vídas, tu dúlse léngua no dešámos.
Áunke tú noz desteráste kómo madrástra de tu séno,
no estankámuz di amárte kómo santízimo ter̄éno, [...]

Übersetzung:
Einen herzlichen Gruß an Spanien … von Abraham Cappon, Sarajevo
Dich, geliebtes Spanien, nennen wir Mutter,
und während unseres ganzen Lebens lassen wir von Deiner sanften Sprache nicht ab.
Obwohl Du uns vertrieben hast, wie eine Rabenmutter von der Brust,
werden wir nicht müde, Dich zu lieben als hochheiliges Land […]

[Deutsche Fassung des Gedichts zitiert nach Gerda Haßler. 1998. „Das Sephardische: Geschichte, Sprachkontakte, Sprachbewußtsein“. In: Karl E. Grözinger (Hg.). Sprache und Identität im Judentum. (Jüdische Kultur, 4). Wiesbaden: Harrassowitz, S. 113.]

Abraham A. Cappon (© Santo Cappon)

„Nationalitätenkapelle“, Wien 1841
Privatsammlung, Bayern

Aufgenommen von Helmut Kowar und Julia Ahamer am 18.1.2007; V 1666-1667

Seit den 1980-er Jahren beschäftigt sich Helmut Kowar mit der systematischen audiovisuellen Erfassung mechanischer Musikinstrumente v. a. österreichischer Provenienz.

Bei dem gezeigten Instrument handelt es sich um ein „Melodeon“, eine Zungendrehorgel, die mit einer Figurenkapelle mit beweglichen Figuren kombiniert ist. Offensichtlich war es das Instrument eines Schaustellers, der damit durch die Lande zog und daher die Mitglieder dieser Kapelle als Angehörige verschiedener Völker darstellte. Eine Datierung findet sich auf dem Giebel des Aufbaus: „Wien Anno 1841“ - eine frühe und wohl ziemlich einzigartige Kombination von Musik- und Figurenautomat, eine multimediale Attraktion auf den Jahrmärkten des späten Biedermeier.

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Freie Rede auf Bretonisch; Sprecher: Maturin Buléon

Aufgenommen von Rudolf Trebitsch am 29.8.1908 in Vannes [breton. Gwened], Bretagne; Ph 1025

1908 machte Rudolf Trebitsch, Doktor der Medizin (und später auch der Volkskunde), phonographische Aufnahmen bei der keltischsprachigen Bevölkerung der Bretagne; diese 25 Tondokumente sind zwar nicht die ältesten, aber die ersten, die in Frankreich im Rahmen von dialektologischer Feldforschung entstanden. Einer seiner Kontaktleute war dabei Kaplan Buléon, der uns in diesem Hörbeispiel „seine Begeisterung über die Idee eines Phonogrammarchives und die phonographischen Aufnahmen der bretonischen Sprache“ mitteilt.

CD-Publikation: The Collections of Rudolf Trebitsch (1906–1913) – Celtic Recordings – Ireland, Wales, Brittany, Isle of Man, and Scotland (1907–1909)

 
Transkription (Gwendal Denez, 2003):
Klevet em eus lâret e raer, en ur vro pell doc’h ma hani un dra hag en deus graet da ma c’halon bleuñviñ: tolpiñ en ur mem ti, ha lakaat da gouezh tostik àr-un-dro lavar hag ur vouezh a bep rummad tud ag an douar. Hag e oa daet soñj din: Mechal, eme-me, mechal hag an dud-se en devo an aviz da zonet da glask bouezh ar Vretoned du-mañ. Sellit ’ta, daet int. “Komzit,” a lâr din un aotrou a vaez-bro, “komzit er menestín siminal-mañ, ha me’ gaso genin ho pouezh.”

Übersetzung (laut Protokoll):
Ich habe sagen hören, dass man in einem Lande, fern von dem meinen, etwas tut, was mein Herz wachsen machte: Zu vereinigen in demselben Hause und niederzulegen fast zur selben Zeit die Sprache und eine Stimme jeder Rasse der Erde. Und es ist mir in den Sinn gekommen: „Werden“, sagte ich mir, „werden jene Leute den Gedanken haben, die Stimmen der Bretonen hier zu suchen zu kommen?“ Sehet doch, sie sind gekommen. „Sprechen Sie“, sagte mir ein Herr aus einem fremden Lande, „in diese Art Schlot, und ich werde Ihre Stimme mit mir forttragen.“

Protokollblatt (© Phonogrammarchiv)

Alte Geschichte auf Manx; Sprecher: John Nelson

Aufgenommen von Rudolf Trebitsch am 8.8.1909 in Douglas, Isle of Man; Ph 1093

Jene zehn Phonogramme, die Rudolf Trebitsch, Doktor der Medizin (und später auch der Volkskunde), 1909 in Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man, anfertigte, stellen wohl die ältesten Aufnahmen von Manx, einer keltischen Sprache, dar. Zu hören ist in unserem Beispiel der im darauffolgenden Jahr verstorbene John Nelson, Inhaber des Albion Hotels und unermüdlicher Kämpfer gegen den Niedergang von Manx.

CD-Publikation: The Collections of Rudolf Trebitsch (1906–1913) – Celtic Recordings – Ireland, Wales, Brittany, Isle of Man, and Scotland (1907–1909)

 
Transkription (George Broderick, 2003):
Skeeal beg mysh scollag aeg Keayrt dy row va scollag dy ghuilley aeg mysh queig bleeaney jeig dy eash, as hie eh dy schoill dy ynsaghey yn ABC. Dooyrt yn mainshter rish, Cre shoh, Thobm? Cha saym ayns my chonshense cre ta shen.

Übersetzung (Christian Liebl, 2013; nach der englischen Übersetzung von George Broderick, 2003):
Kurze Erzählung über einen jungen Burschen Es war einmal ein junger Bursche, an die 15 Jahre alt, und er ging zur Schule, um das ABC zu lernen. Der Lehrer sagte zu ihm: „Was ist das, Tom?“ – „Ich weiß wahrlich nicht, was das ist.“

Protokollblatt (© Phonogrammarchiv)

Volkserzählung auf Romanes; Sprecher: Jandro Đurđević

Aufgenommen von Milan Rešetar am 30.5.1901 in Bjelovar, Kroatien; Ph 205

Um den neu konstruierten Archivphonographen erstmals im Feld zu testen, reiste der Slawist Milan Rešetar (1860–1942) nach Kroatien und Slawonien, mit dem Ziel, „die Grenzen zwischen den Hauptdialekten der serbokroatischen Sprache … genauer festzustellen“. Trotz verschiedenster Widrigkeiten gelang ihm die Anfertigung zumindest einiger Tondokumente – darunter vermutlich die weltweit, sicherlich aber Österreichs älteste Aufnahme von Romanes, der Sprache der Roma, von der Rešetar nur lapidar meinte, „vielleicht wird man auch das in Wien irgendwie verwenden können“.

CD-Publikation: The First Expeditions 1901 to Croatia, Brazil, and the Isle of Lesbos

 
Transkription (Mozes F. Heinschink & Dragan Jevremović, 1999):
Sas jek Prilica taj Pralica: Sas jek Prilica taj Pralica, kaj gēle po fōro. Apo kana gēle po fōro, aj, … pušlas: “[?Tuke] kaj žas?” – “Ake, žav po fōro!” – “Aj, keti love si?” – “Si ma dešuduj zlōci.” […]

Übersetzung (Petra Cech & Mozes F. Heinschink, 2001):
Es waren einmal Prilica und Pralica, die auf den Markt gingen. Als sie aber auf den Markt gingen, fragte (er): „Wo gehst du hin?“ – „Ich gehe auf den Markt.“ – „Hej, wieviel Geld ist da?“ – „Ich habe zwölf Zloti.“ […]

Protokollblatt (© Phonogrammarchiv)

Stimmporträt Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916)

Aufgenommen von Fritz Hauser am 2.8.1903 in Ischl (Salzkammergut), Kaiservilla; Ph 3

Im Rahmen einer Audienz in der Kaiservilla zu Ischl gelang Sigmund Exner, Obmann der Phonogrammarchivs-Kommission, mit Unterstützung seines Technikers Fritz Hauser die längste der drei erhaltenen Tonaufnahmen von Kaiser Franz Joseph I (Ph 1–3). Bis auf den letzten Satz, der vom Kaiser sozusagen aus dem Stegreif hinzugefügt wurde und hier zu hören ist, stammte der programmatisch-visionäre Text im Wesentlichen von Exner selbst. Eine Woche später zierte eine Illustration dieses öffentlichkeitswirksamen Ereignisses gar die Titelseite der Oesterreichischen Kronen-Zeitung.

CD-Publikation: Stimmporträts
bzw. Kaiser Franz Joseph, Stimmporträt 1903.

Kaiser Franz Joseph vor dem Phonographen, 1903
(Quelle: Phonogrammarchiv)

Transkription:
Es hat mich sehr gefreut, auf Wunsch der Akademie der Wissenschaften meine Stimme in den Apparat hineinzusprechen und dieselbe dadurch der Sammlung einzuverleiben.

„Mailüfterl“; Musiker: Johannes Vogl (Flügelhorn), Erik Schuster (Klarinette), Bernd Kohlbacher (Tenorhorn) und Karl Würkner (Tuba)

Aufgenommen von Katharina Thenius-Wilscher und Bernhard Graf am 30.4.2009 in Ternitz/NÖ; V 2960

Beim „Mailüfterl-Blasen“ in Ternitz, das traditionellerweise in der Nacht von 30. April auf 1. Mai stattfindet, handelt es sich um eine Form des Maiblasens, bei dem kleinere Bläsergruppen – im vorliegenden Fall Mitglieder des 1.Ternitzer Musikvereins - von Haus zu Haus ziehen. Sie spielen dabei immer dasselbe Stück, nämlich das „Mailüfterl“ (Melodie: J. Kreipel, Text: A. Freiherr v. Klesheim), worauf sie dann meist zum Essen und Trinken ins Haus der „Angespielten“ gebeten werden.

Seit den 1970er-Jahren widmet sich das Phonogrammarchiv der Dokumentation von Musik im österreichischen Alltagsleben v.a. im Rahmen der Projekte „Singen und Musizieren in Österreich“ (1978-1986) und „Der musizierende Mensch im ländlichen Raum“ (1986-1989). Das vorliegende Beispiel stellt eine Vergleichsaufnahme aus einer aktuell durchgeführten Re-Study dar.

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„Jidn redn jidish“; Abraham Adler und das „Ensemble Scholem Alejchem“

Aufgenommen von Helga Thiel am 13.9.2000 im Bockkeller (Wiener Volksliedwerk), Wien XVI.; D 10300

Seit Mitte der 1980er-Jahre führt das Phonogrammarchiv Aufnahmeprojekte durch, die der Dokumentation ausgewählter kultureller Ereignisse in Wien gewidmet sind und von der Kulturabteilung der Stadt Wien gefördert werden.

Im Rahmen des Projektes „Dokumentation der musikalischen Aktivitäten der jüdischen Gemeinde in Wien“ (1996-98) ergab sich der Kontakt zu Abraham Adler (1916-2003), der viele Jahre als Oberkantor im Wiener Stadttempel tätig war. Sein musikalisches Schaffen wurde in der Folge u.a. durch die Archivierung seiner Sammlung und die Durchführung von Interviews dokumentiert. Bei der vorliegenden Aufnahme handelt es sich um einen der letzten öffentlichen Auftritte Adlers; begleitet wird er von Isaak Loberan (Ensemble-Leitung, Keyboard), Igor Pilyavsky (Schellenring) und Tymur Melnyk (Violine).

Abraham Adler (© Isaak Loberan)

 
Transkription (Abraham Adler):

Jidn redn jidish is dus den a chidesh,
a Jid hot lib zunemen a jidesh wort in mol.
Er sogt sholom aleichem un freigt sich ma shemeichem,
un bei hawdule sogt ehr hamawdil bein kodesh lechoil.
Reidn Jidn jidesh klingt dus doch negidesh.
Weil jidesh reidn is doch asoi shen.
Un wen a Jid macht kidush, macht er och doch oich of jidish.
„Wo den of goiesh?“ Wer wet im kenen dus farshtein?
Ref.: Jidish is doch asoi gring. Jidesh leigt sich of der zing.
Jidesh reidn tates mames seidens bobes,
ober ober prift of goiesh un sogt gitshabes.
Jidish red sich asoi shen …

Stimmporträt Arthur Schnitzler (1862–1931)

Aufgenommen von Fritz Hauser am 19.3.1907 im Phonogrammarchiv, Wien I.; Ph 536

Als Thema des ersten der beiden Stimmporträts wählte Schnitzler ein Zitat aus seinem Einakter Lebendige Stunden. Diente es im ursprünglichen Kontext als Rechtfertigung der schriftstellerischen Tätigkeit, ist es in diesem Zusammenhang wohl auch als Verneigung vor dem Beruf des Phonographisten zu sehen.

CD-Publikation: Stimmporträts
bzw. Arthur Schnitzler und Schriftsteller seiner Zeit

 
Transkription:
Lebendige Stunden? Sie leben doch nicht länger als der Letzte, der sich ihrer erinnert. Es ist nicht der schlechteste Beruf, solchen Stunden Dauer zu verleihen, über ihre Zeit hinaus.

[Lebendige Stunden. Einakter aus dem gleichnamigen Zyklus. Berlin 1902: S. Fischer, S. 35]

Arthur Schnitzler, ca. 1912 (Quelle: Wikimedia Commons)

Frühe deutsche Dialektaufnahme, Wien 1901

Jagd-Episode; Sprecher: Paul Angelis
Aufgenommen von Fritz Hauser am 19.2.1901 im Phonogrammarchiv, Wien I.; Ph 105

Die „Sammlung österreichischer Dialekte“ stellte seit jeher eine der Hauptaufgaben des Phonogrammarchivs dar, und so entstand bereits 1901 die älteste wissenschaftliche Dialektaufnahme des Deutschen. Es handelt sich um eine in Dialogform vorgetragene Schilderung einer Hirschjagd, gesprochen im mittelbairischen Dialekt von Unterach in Oberösterreich (Attergau).

CD-Publikation: „Dazähl’n“ – 100 Jahre Dialektaufnahme in Österreich

 
Transkription (Wilfried Schabus, 2003):

Transliteration (Wilfried Schabus, 2003):
- Karl, auf was hast du denn geschossen?
- Auf einen Hirsch habe ich geschossen.
- Sakrament! Hast du ihn vielleicht schon wieder gefehlt?
- Nein, nein, gefehlt habe ich ihn nicht! Da ist er über den Graben hinübergesprungen, gerade da bei der Grenze. Und ich meine, ich bin ihm ein wenig hinten hinaufgekommen (= ich habe ihn nicht ganz waidgerecht getroffen).

Straßengesang dreier Lavendelweiber aus Alt-Ottakring; Sängerinnen: Marie Hulle (Vorsängerin), Anna Pohler (Sopran), Hermine Bleß (Alt)

Aufgenommen von Leo Hajek am 3.7.1933 im Phonogrammarchiv, Wien I.; G 2637

Zum alltäglichen Stadtbild Wiens zählten in früheren Zeiten die sogenannten „Lavendelweiber“, die oft in mehrstimmigen Rufen bzw. Liedern ihre Lavendelsträußerl zum Kauf anboten.

CD-Publikation: Österreichische Volksmusik (1902–1939) / Austrian Folk Music (1902–1939)

 
Transkription:

„Dural, dural me avilem“ – „Von weither bin ich gekommen“

Ausführende: Ruzsa Nikolić-Lakatos (Gesang), ihr Mann Mišo (Gitarre) und Gäste aus der Slowakei.
Live-Aufnahme von Mozes F. Heinschink am 30.3.1997 im Haus der Fam. Nikolić, Wien; D 4782 (Ausschnitt)

Loki gjili (langsames lyrisches Lied) der Lovara, sog. „Pferdehändler“, einer in vielen Ländern Europas beheimateten Romagruppe. Die Live-Aufnahme während eines geselligen Beisammenseins gewährt Einblick in eine typische Aufführungssituation: Entsprechend dem Anlass variiert die Gastgeberin den tradierten Liedtext, die anwesenden Gäste singen nicht nur mit, sondern reagieren auch durch Kommentare und Wunschformeln. – Auf Antrag der Sängerin Ruzsa Nikolić-Lakatos wurden die Lieder der Lovara 2011 von der Österreichischen UNESCO-Kommission in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen.

Das Phonogrammarchiv beherbergt eine der weltweit bedeutendsten phonographischen Sammlungen zu Kultur, Sprache und Musik der europäischen Roma. Neben den Feldforschungsaufnahmen von Eva Davidová und Milena Hübschmannová (v.a. in der Slowakei und Tschechien), Ursula Hemetek (in Österreich) und anderen zählt hierzu insbesondere die umfangreiche Audio- und Video-Sammlung von Mozes F. Heinschink: Diese enthält Oraltraditionen von Roma aus vielen Ländern, die der Wiener Romanes-Experte seit 1960 insbesondere in Zentral- und Südosteuropa bis hin zur Türkei aufgenommen hat. – Weitere Tondokumente zur Kultur der Roma aus den Beständen des Phonogrammarchivs sind in der Web-Ausstellung A Roma Journey abrufbar.

Ruzsa Nikolić-Lakatos (© Mozes F. Heinschink)

Gesang eines Gelbspötters (Hippolais icterina)

Aufgenommen von Alfred Jilka am 26.5.1968 im Hugo-Wolf-Park, Wien XIX.; B 13602

 
Ein kleiner Teil der Bestände des Phonogrammarchivs umfasst Aufnahmen aus den Bereichen Medizin und Bioakustik.

Der Musiker und Vogelkundler Alfred Jilka widmete sich in den 1960er- bis 1980er-Jahren der Dokumentation von Vogelstimmen v.a. in Ostösterreich.

Aufgrund des weiten Frequenzspektrums muss bei ornithologischen Aufnahmen besonderes Augenmerk auf die Wahl des geeigneten Mikrophons gelegt werden.

Gelbspötter (Hippolais icterina) (Quelle: Wikimedia Commons)

Pauliteiros (Stocktänzer) im Rahmen der „Festa da Nossa Senhora do Rosário“ São Martinho de Angueira (Miranda do Douro) und Mourisqueiros (Schwerttänzer) im Rahmen der „Festa da Bugiada“ in Sobrado (Valongo)

Aufgenommen von Barbara Alge 2004 und 2005 in Portugal; V 990 und V 1613

Stocktänze und Schwerttänze gehen auf die Zeit des Mittelalters zurück und sind in ganz Europa verbreitet. Ursprünglich wurden sie nur von Männern getanzt - heute tanzen z.B. in Spanien und Portugal auch Frauen.

Die Ethnomusikologin Barbara Alge führt seit 2003 Feldforschungen im lusophonen Raum (v.a. Portugal und Brasilien) durch. Ihr Forschungsinteresse liegt dabei auf Musik und Tanz im Kontext katholischer Feste.

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Großpold nach der Abwanderung der Landler; Sprecher: Samuel und Theresia Glatz

Aufgenommen von Wilfried Schabus am 6.4.1992 in Großpold/Apoldu de Sus, Siebenbürgen/Transilvania; B 40173

Der Forschungsschwerpunkt von Wilfried Schabus, Germanist und langjähriger Phonogrammarchivs-Mitarbeiter, liegt auf Studien zur Sprache und Kultur von Altösterreichern. Seine dialektologischen Feldforschungen in Sprachinseln führten ihn bisher u.a zu den Tirolern in Pozuzo/Peru, den Hutterern in Kanada und den Landlern in Siebenbürgen.

Bei den Landlern in Siebenbürgen handelt es sich um die Nachkommen der vor ca. 270 Jahren zwangsverschickten österreichischen Protestanten, die ursprünglich v.a. aus dem Salzkammergut und dem Hausruckviertel stammten. Nach der politischen Wende von 1989 setzte eine große Auswanderungswelle aus Rumänien ein, erhofften sich doch v.a. junge Leute von einem Leben im idealisierten deutschsprachigen Westen ihr neues Glück. Als 1992 das Gespräch mit dem Ehepaar Glatz aufgezeichnet wurde, zählten sie zu den letzten noch nicht ausgewanderten Landlern in Großpold.

Samuel und Theresia Glatz (© Wilfried Schabus)